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Du möchtest mehr zu dem Thema erfahren? Am 6.12. gibt Steffen in unserer VALEO-App ein Live-Coaching, in dem er tiefer auf dieses Thema eingeht. Deine Fragen kannst du ganz einfach über den Live-Chat stellen. Sichere Dir jetzt Deinen kostenlosen Platz über unsere App!

Hier geht es zum Coaching.

Viele Gesundheitsexperten sagen, wer sich gesund und ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel. Aber wer kann das schon im stressigen Alltag, in dem viele Anforderungen und Belastungen auf uns zukommen und wohl nur die wenigsten Menschen täglich frisch zubereitet kochen und die empfohlenen Mengen an Obst und Gemüse zu sich nehmen? Das Spektrum der Wirkstoffe und Anwendungsbereiche ist riesig. Es lohnt sich also hier genauer hinzuschauen. Was ist dran am Supplemente-Hype? Wie finde ich heraus, welche Ergänzungen für mich wirklich sinnvoll sind und wie lässt sich eigentlich die Qualität dieser Produkte gewährleisten?

Unser Gast kennt sich mit diesem Thema bestens aus. Er ist nicht nur Apotheker und Gesundheitsexperte, sondern führt ein Unternehmen für Nahrungsergänzungen. Mit seiner Expertise berät er seine Kunden und stellt ihnen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Situationen und Ziele, individuell die passenden Nahrungsergänzungen zusammen. Freue Dich auf ein spannendes Interview mit Steffen Kuhnert!

Darüber sprechen wir

  • Begriffsklärung Nahrungsergänzungsmittel
  • Notwendigkeit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln
  • Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung
  • Welche Stoffe sind essenziell für unseren Körper?
  • Bedeutung individueller Beratung
  • Qualitätsmerkmale
  • Mögliche Risiken

Über Steffen

 

Norman: Steffen, schön dass du heute wieder dabei bist. Vielleicht starten wir so: Stell dich doch für den ein oder anderen, der dich noch nicht kennt, noch einmal ganz kurz vor. Wer ist Steffen Kuhnert als Privatperson und was genau machst du beruflich?

Steffen: Einen schönen guten Morgen, hallo Norman, ich bin hauptberuflich Apotheker, leite zwei Apotheken im Dürener Raum, hatte noch eine weitere Apotheke in Köln, die ich allerdings kurzfristig schließen musste. Ich beschäftige mich bereits seit einigen Jahren mit dem Thema Nahrungsergänzungsmittel. Das ist mein zweites großes Standbein, wo ich eine eigene Nahrungsergänzungsmittellinie unter dem Namen A Nutri Supply auf dem Markt habe, betreibe aber darüber hinaus noch einen Gesundheitskanal auf YouTube “Gerne Gesund”, wo ich zweimal die Woche mit der Beleuchtung von interessanten Themen an den Start gehe.

So habe ich ein ganz gutes, großes Gesundheitsunternehmen mittlerweile aufgezogen, wo ich in verschiedenen Bereichen tätig bin, immer noch neue Ideen habe, was ich demnächst auch im digitalen Bereich machen könnte und machen möchte. Klar, die Apotheke ist mein Hauptbusiness, aber Apotheke alleine ist mir dauerhaft zu wenig gewesen. Deshalb schaue ich auch, wo ich noch meine Fühler ausstrecken kann, wo ich Lust und Spaß habe mich zu engagieren um den Leuten die Gesundheitsthemen ein wenig näherzubringen.

Norman: Super cool und genau darum soll es heute auch in diesem Podcast gehen, nämlich Nahrungsergänzungsmittel. Vielleicht können wir, bevor wir den Deep Dive in das Thema machen, eine kleine Begriffsklärung machen. Erzähl uns doch einmal im Groben und Ganzen: Was sind eigentlich Nahrungsergänzungsmittel?

Steffen: Das ist eine rechtliche Einstufung. Wir haben Arzneimittel, die kennt jeder und die haben eine rechtliche Zulassung beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte). Die sind davon abzugliedern. Dann haben wir auf der anderen Seite die Nahrungsergänzungsmittel. Wie der Name schon sagt: Es sind Mittel, die unsere tägliche Nahrung ergänzen sollen. Die dürfen nicht mit Werbeversprechen an den Markt gebracht werden. Zu diesem Zwecke hat die Europäische Union vor einigen Jahren die sogenannten Health Claims auf den Markt geworfen, sprich gesundheitsbezogene Aussagen, die bei dem ein oder anderen Inhaltsstoff von Nahrungsergänzungsmitteln genutzt werden dürfen. Das ist mittlerweile ein echt enges Raster, in dem man sich dort bewegt.

 

Darüber hinaus gibt es in Deutschland – das ist etwas kompliziert – die bilanzierten Diäten. Das ist eine Sonderform und da möchte ich heute glaube ich nicht großartig drauf eingehen, aber Nahrungsergänzungsmittel sind definitiv nur Produkte, die keinen Arzneimittelcharakter haben, die also nicht eingenommen werden, um letzten Endes Krankheiten zu behandeln oder entsprechende Effekte im Körper auszulösen, sondern sie dienen rein dem Ersatz von Stoffen, die wir eventuell über Nahrung, über unsere Lebensmittel nicht mehr zunehmen können.

Norman: Das ist ein tolles Stichwort, denn man hört ja immer wieder, dass wenn ich mich gesund ernähre doch eigentlich alle gesunden Stoffe aufgenommen werden können, die ich zum Leben brauche. Warum brauche ich dann Nahrungsergänzungsmittel?

Steffen: Die Aussage hört man immer wieder und die Aussage ist grundsätzlich auch vollkommen richtig und absolut in Ordnung. So sind wir Menschen über Jahrtausende durch’s Leben gekommen. Die Natur hat uns all das geboten, was unser Körper zum Essen braucht. Allerdings ist es so, dass in den letzten 200-300 Jahren wir einen extremen Wandel gemacht haben, unser Körper aber diesen Wandel mit Sicherheit noch nicht mit vollzogen hat. Er steckt immer noch in seinen Urzeiten. Wir brauchen nach wie vor die gleichen Stoffe. Durch die moderne Ernährung, die wir uns heute zuführen und meiner Meinung nach wird das immer schlimmer – man muss sich nur einmal nach links und rechts umschauen – bekommen wir natürlich flächendeckend nicht mehr die Stoffe, die wir brauchen. Hierzu gehören Mikronährstoffe, Vitamine, Mineralien, aber auch durchaus eine hochwertige Eiweißversorgung, etc. Eine vernünftige Versorgung mit gesunden Fetten. Die schlechten Fette kriegen wir mehr als genug, aber die gesunden nicht. Das ist meiner Meinung nach das Thema.

Die, die immer wieder sagen, eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist doch vollkommen ausreichend, haben recht. Aber meiner Meinung nach haben sie den Blick tatsächlich auf die Realität verloren. Denn die Realität sieht dort anders aus. Wir können nicht permanent sagen “Gesunde Ernährung ist das Beste” – wissen aber auf der anderen Seite, dass eine Gesunde Ernährung nicht wirklich weit verbreitet ist. Das zeigen auch immer wieder Untersuchungen, die selbst die Bundesregierung auf den Markt wirft, dass es in der Bevölkerung nicht unbedingt mit einer guten, gesunden Ernährung gut bestückt ist. Das ist meiner Meinung nach das Thema hier.

Norman: Nach dem Krieg kam die Lebensmittelindustrie in die Gänge, um möglichst hochkalorische Lebensmittel zu produzieren, damit die Leute versorgt sind. Denn nicht jeder konnte da in den Bioladen rennen und sagen “Ich mache jetzt mal eine schöne Gemüse-Obst-Ernährungsgeschichte daraus”, sondern da musst wirklich in komprimierter Form die Gesellschaft wieder aufgepeppelt werden.

Diese Industrienahrung haben wir ja heute noch. Das heißt, die wenigsten gehen wirklich ein- bis zweimal in der Woche auf den Markt und versorgen sich dann mit Obst und Gemüse. Vielleicht auch aus Zeitgründen, das ist das, was du wahrscheinlich auch mit Wandel meinst. Wenn ich 10 Stunden am Tag arbeite, dann habe ich den Gemüsemarkt eher nicht auf meiner Agenda oder eher am Wochenende und dann fehlt es mir vielleicht unter der Woche. Das heißt, wir haben nicht die ausreichende Menge Obst und Gemüse jeden Tag.

Ich weiß nicht, ob es stimmt oder nicht, aber ich habe eine Faustformel im Kopf: Zwei gefüllte Hände voll Obst und Gemüse, jeweils, soll man täglich zu sich nehmen, um sich ausreichend zu versorgen. Jetzt kann man sich überlegen, ob das tatsächlich bei jedem der Fall ist.

Steffen: Das ist grob richtig. In Deutschland ist es die “5 am Tag”-Regel, also 5 volle Hände. Etwas mehr Gemüse, also 2 Hände Obst, 3 Hände Gemüse. Andere Länder sind schon bei 7 Portionen am Tag, die sie empfehlen. Das, was du sagst ist schon das untere Limit. Es sollten idealerweise sogar noch ein bisschen mehr sein.  

Norman: Okay. Das beschreibt ja eigentlich schon ganz gut, dass wir durchaus auch mit einem Mangel rechnen können, weil wir das nicht hinkriegen.

Steffen: Ja. Das zeigt auch, wenn ich da direkt eingreifen kann – die Bundesregierung gibt durch das Max-Rubner-Institut alle paar Jahre eine sogenannte “Nationale Verzehrsstudie” in Auftrag. Die ist jetzt wieder ein paar Jahre her, wurde 2008 durchgeführt, aber ich denke, trotz alledem wird sich nicht viel geändert haben. Da kam schon raus, dass diese Gemüsezufuhr 87% der Befragten unterschreiten und das sagt ja eigentlich alles. Bei der Obstzufuhr sind es 59%.

Trotz alledem wird uns immer erzählt, wir sind ausreichend versorgt. Irgendwo hakt da bei mir irgendwas, dass ich mich wundere und denke “Komisch. Wenn die Empfehlung, die durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rausgegeben werden, von so vielen Leuten scheinbar gar nicht eingehalten werden – wie können wir dann davon sprechen das wir ausreichend versorgt sind? Da wird es wahrscheinlich noch andere Gründe im Hintergrund geben, weil der ein oder andere Angst hat, dass das zu einer kleinen Kettenreaktion oder -explosion kommt, wenn es auf einmal heißt: Wir können in Deutschland unsere Bevölkerung nicht mehr ausreichend versorgen.

Norman: Ja. Ich glaube, wir können das Thema jetzt hier soweit abschließen. Das kann ja jeder für sich selbst herausfinden, mit einem Blutbild, inwieweit man gut versorgt ist. Ich habe noch eine Zahl von 47 essentiellen Stoffen im Kopf, die ich zum Leben brauche. Fehlt eine davon, bin ich tot. Habe ich einen Mangel von einer dieser essentiellen Zusatzstoffen, auf die du gleich ein wenig eingehen könntest – dann geht es mir nicht besonders gut. Je nachdem, wie weit runter das Gesamtlevel dieser ganzen Stoffe ist, können sich auch Entzündungen im Körper bilden und ich werde krank.

Das sind alles Geschichten, die ich durchaus auch selbst beeinflussen kann. Ob es Ernährung, Sport oder letztendlich Nahrungsergänzungsmittel sind.

Steffen: Korrekt.

Norman: Was sind die wichtigsten – wo du sagen würdest, das sind die Top 10, auf die man achten sollte und die man nicht unbedingt auf dem Radar hat?

Steffen: Klar, unter diesen essentiellen Stoffen verstehen wir immer Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und vor allen Dingen die essentiellen Aminosäuren. Die Aminosäuren, die unser Körper nicht selber herstellen kann, die auch sehr wichtig sind. Sie sind für extrem viele Körperprozesse notwendig und das hast du eben auch angesprochen. Es ist klar, dass wenn Prozesse stattfinden und in diesen Prozessen ein bestimmter Stoff von Nöten ist, der aber dann nicht ausreichend zur Verfügung steht, dann stoppt dieser Prozess natürlich. Der Körper kann das zwar ausgleichen, wir merken meistens erst, dass es uns schlecht geht, wenn die Leistungsfähigkeit nur noch bei 20%-30% liegt. Das meiste bügeln wir aus. Selbst wenn man massivst erkrankt ist, würde man von sich behaupten “Ach, mir geht es doch gut”. Das ist deshalb so, weil unser Gehirn das so clever ausfiltern kann, dass wir nicht direkt umfallen und tot sind, wie du das so schön beschreibst, sondern tatsächlich mit einem extremst reduzierten Leistungsumsatz immer noch agieren können, ohne dass wir uns dem wirklich bewusst sind. Und das ist auch das Problem, dass alle sagen “Ich bin doch gut versorgt”. Viele merken gar nicht, was alles passieren kann, wenn man sich noch besser und ausreichender versorgt.

Die wichtigsten und essentiellsten Stoffe herauszufiltern ist natürlich ganz wichtig, weil es individuell doch sehr verschieden ist. In Deutschland ist es mit Sicherheit das Vitamin D Thema, was immer stärker in die Medien rein rückt, wo man sehr viel darüber weiß, was das Immunsystem angeht, was aber auch ein Risiko von Krebs angeht, etc. Da gibt es sehr viele Prozesse. Da ist die Empfehlung auch sehr niedrig, die wir in Deutschland haben. Experten, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen, sprechen doch ganz andere Empfehlungen aus. Das ist auch das große Thema, wo viele schlecht durch den Herbst/Winter und vor allen Dingen durch den Spätwinter im Januar/Februar kommen, weil unsere eigene Vitamin D Versorgung, die wir über die Sonneneinstrahlung auf unserer Haut produzieren können, extremst runterfahren und es nicht ausreichend zuführen. Das ist der Winter-Blues, den viele kennen, oder die winterliche Grippe. Dass wir diese starken Grippe-Zeiten haben, hängt durchaus auch mit einem Vitamin D Mangel zusammen, der gerade in den Monaten Januar, Februar extremst zum Tragen kommt, weil wir ein paar Monate keine vernünftige Sonneneinstrahlung auf unserer Haut bekommen haben und die Spiegel im Keller sind. Das ist meiner Meinung nach ein Stoff, den ich gerne hervorhebe.

Dann ist es eine umfassende Mineralien-/Vitaminversorung, Magnesium ist durchaus auch ein Stoff, den ich gerne nenne. Wir haben oftmals einen Jodmangel in der Bevölkerung, wenn wir mal bei den Mineralien sind, wo wir draufschauen könnten. Es gibt diverse Sachen, die auch bei den Studien der Bundesregierung rauskommen, wo man davon ausgeht, dass da Mangel in der Bevölkerung herrscht, aber es wird meiner Meinung nach zu wenig getan. Jod kennt ja jeder von jodiertem Speisesalz. Das ist ein bekanntes Problem. Ob es sinnvoll ist, das in Salz reinzutun, ist vielleicht noch ein anderes Thema.

Norman: Ja. Jetzt haben wir Vitamin D und Jod. Gibt es noch ein paar Sachen, die ich auf dem Zettel haben oder zumindest überprüfen lassen sollte?

Steffen: Ja, das ist meiner Meinung nach das Risiko. Wenn ich jetzt vier oder fünf Stoffe nenne, dass die Leute sich nur darauf fokussieren. Ich bin überhaupt kein Freund von Reinsubstanzen. Zu sagen, ich nehme jetzt Vitamin D und dann hat er noch was von Magnesium gesagt und dann nehme ich noch dieses… Das haben auch viele Studien in den letzten Jahrzehnten gezeigt: Wenn man Studien auslegt und schaut, was durch die Einnahme von einigen Substanzen passiert – Vitamin E ist ein gutes Beispiel. Das war ein riesen Hype vor 10, 20 Jahren. Da zeigen die Studien auf einmal: Oh, Vitamin E hochdosiert eingenommen kann tatsächlich sogar Probleme bereiten. Man hat einfach nicht bedacht, dass unser Körper tatsächlich ein Wunderwerk der Technik ist und viele Stoffe zusammenkommen müssen, damit alles funktioniert. Das ist das Risiko. Viele erinnern sich vielleicht auch an Beta-Karotin und Rauchen – eine riesen Studie, wo man gesagt hat: Bloß kein Beta-Karotin mehr an die Raucher herausgeben. Auch das waren Einzelstudien und man hat einfach nicht bedacht, dass die Kombination von Beta-Karotin und anderen Antioxidantien sowohl auch für Raucher positive Effekte hat. Deshalb ist das mit den Reinsubstanzen immer schwierig. Meiner Meinung nach zählt immer die Gesamtheit. Im Obst ist auch nicht immer nur Vitamin C drin, sondern da sind auch andere Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe drin. Unser Körper braucht die Gesamtheit. Ich würde da nicht auf Einzelsubstanzen gucken, sondern schon schauen, dass man wenn, dann eher mit einem komplexen Präparat, wenn man es im Nahrungsergänzungsmittelbereich macht. Wenn man es mit einem guten Produkt angeht, dann ist eine Überdosierung eigentlich kaum möglich. Die Grenzwerte sind doch so extrem hoch und wenn man es nach Vorschrift einnimmt, kann man da nichts falsch machen.

Norman: Ja, das ist vielleicht auch noch ein toller Impuls von dir und ein Aufruf an unsere Zuhörer, das Thema Gesundheit immer sehr individuell zu betrachten und nicht, weil irgendwer im Podcast sagt “Vitamin D Mangel”, dann losrennt und diese Nahrungsergänzungsmittel besorgt. Ich weiß ja, dass das Biohacking-Thema für viele Leute da draußen super spannend ist, aber das doch bitte in Zusammenarbeit mit einem Arzt oder Apotheker zu machen und sich wirklich für die eigene, individuelle Lebenssituation und Bedarfssituation beraten zu lassen. Das ist glaube ich ein ganz wichtiger Punkt. Ich halte persönlich gar nichts davon, irgendwelche vorgegebenen Muster oder Methodiken, so allgemeingültige Sachen rauszuhauen.

Steffen: Da bin ich auch kein Freund von. Um nochmal auf Vitamin E zurückzukommen, da muss man schon schauen, mit wem man da in Kontakt tritt. Denn leider ist es auch so, dass dieses althergebrachte Wissen doch immernoch in den meisten Köpfen der Ärzte oder auch Apotheker drin ist, mit den Empfehlungen, die vor Jahren galten und richtig waren. Hier sollte man schauen, dass man sich einen Arzt sucht, der automolekularen Medizin, also der Versorgung mit solchen Nährstoffen aufgeschlossen ist. Das halte ich für sinnvoll, damit man den entsprechenden Fachmann an seiner Seite hat.

Norman: Ja, damit man dann auch die entsprechende Dosierung bekommt.

Steffen: Korrekt.

Norman: Das treibt uns natürlich zur nächsten Frage. Jetzt ist an jeder Ecke im Internet zu hören, was es für tolle Supplements gibt. Wie erkenne ich denn ein gutes Präparat? Ich kann ja bei Amazon & Co. alles mögliche bestellen, aber wo habe ich denn tatsächlich den Qualitätshinweis auf ein gutes Produkt?

Steffen: Das ist meiner Meinung nach ein wahnsinnig großes Problem. Grundsätzlich, zurückkommend auch auf deine Eingangsfrage: Das ist tatsächlich das Problem der rechtlichen Zulassung. Nahrungsergänzungsmittel sind sogenannte Lebensmittel. Die werden nicht offiziell zugelassen. Man muss sie in einem Onlineportal registrieren, was aber nichts anderes ist, als einmal das Etikett als PDF hochzuladen. Damit hat man dann mitgeteilt, wie das Produkt aussieht, wie die Zusammensetzung ist und die Deklaration. Das überprüft auf der anderen Seite aber keiner. Das läuft durch keinen Computeralgorithmus und da sitzt auch keiner, der schaut ob das alles in Ordnung ist. Man lädt es hoch und fertig und man muss dafür noch nicht einmal eine Fachqualifikation haben. Du könntest heute noch zum Gewerbeamt gehen und eine Gewerbeanmeldung machen und kannst morgen theoretisch schon mit deinem Produkt auf dem Markt sein.

Das ist meiner Meinung nach das große Problem, dass man ohne jegliche Qualifikation solche Produkte zusammenschustern kann. Dass es auch keine qualitätsbezogenen Aussagen auf die Produktionsstätten gibt. Da gibt es wahnsinnige Unterschiede. Wo wird produziert – also, aus welchen Ländern kommen die Rohstoffe? Wir haben natürlich oftmals auch mit Naturstoffen zu tun. Wie wurden die verarbeitet, Hygienemaßnahmen, etc., aber auch Temperaturen, die eine Rolle spielen im Verarbeitungsprozess und, und, und. Es gibt 1.000 Dinge, die man beachten muss. Das ist das Problem. Bleiben wir mal beim Amazon-Beispiel. Wenn man dort in den Shops herumscrollt, dann sieht man natürlich nichts davon. Man schaut auf das Etikett, vielleicht auch auf die Dosierung, von der ich irgendwann mal gelesen oder gehört habe und dann sind vielleicht ein paar Kundenbewertungen da, die man auch entsprechend kaufen oder durch Unternehmen entsprechend generieren lassen kann. Das ist meiner Meinung nach ein riesen Problem. Ich kann keinen guten Tipp geben, woran man es erkennt.

Klar kann man in die Apotheke gehen, aber das heißt auch nicht unbedingt immer, dass es das qualitativ beste Präparat ist. Oder aber, man schaut wer dahinter steckt, wer es produziert und ob man demjenigen vertraut. Es gibt dort ja viele Menschen, nicht nur ich, die in dem Bereich tätig sind. Da sollte man einfach schauen, wer der Kopf dahinter ist, wer das Produkt entwickelt hat, ob man einen Bezug dazu hat und sich vorstellen kann, dass das etwas Vernünftiges ist und nicht, weil es jemand ist, der ein wenig Fitness macht und man meint, der kennt sich deshalb damit aus.

Das muss natürlich nicht immer schlecht sein – um Gottes Willen. Ich will das nicht verteufeln, aber das Risiko ist natürlich groß, dass da jemand eher Geld verdienen möchte, als unbedingt etwas Gutes zu stiften.

Norman: Ja.

Steffen: Geld verdienen steht natürlich immer mit im Raum – das ist keine Frage. Natürlich machen wir das alle, um Geld zu verdienen, aber eine gewisse ethische Komponente sollte da immer im Hintergrund mitstehen.

Norman: Ich glaube, das ist auch ein gutes Indiz dafür, nachdem wir keine Siegel oder irgendwelche Qualitätszeichen auf Nahrungsergänzungsmittel haben, dass wir auf jeden Fall forschen können, ob das von einem Experten auf der anderen Seite kommt. Also jemand, der entweder namhaft seine Expertise aufgebaut hat oder meinetwegen auch ein Unternehmen, was seit mehreren Jahren im Markt ist. Das ist zumindest ein Anhaltspunkt, wenn ich hinter dem Produkt nichts anderes finde, wie irgendjemanden, der irgendwas auf den Markt bringt – egal wie hübsch die Verpackung ist. Dann sollte man vielleicht eher die Finger davon lassen.

Steffen: Genau.

Norman: Lass uns kurz noch über das Thema Risiken sprechen. Risiken vielleicht in Richtung Überdosierung und vielleicht auch noch einmal das Thema Wechselwirkungen. Kann es passieren, dass ich zum Beispiel mich mit Vitamin D überdosieren kann? Und kann es passieren, dass ich vielleicht 15 Nahrungsergänzungsmittel nehme, die sich gegenseitig die Wirkung aufheben und ich am Ende gar nichts davon habe?

Steffen: Ja. Fangen wir erstmal bei Vitamin D an: Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Wir haben Unterschieden in fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen. Die fettlöslichen Vitamine können sich besser im Körper anreichern, weil sie sich in unsere Fettdepots reinlagern und dort nicht so schnell ausgewaschen und ausgeschwemmt werden.

Zu den fettlöslichen gehören die Vitamine E, D, K, A – also Edeka, kann man sich immer gut merken, wie die Supermarktkette. Und diese Vitamine kann man sehr gut überdosieren, wenn man es übertreibt. Wenn man denkt: “Mir hat jemand gesagt, man soll ausreichend Vitamin D nehmen und ich nehme jetzt mal jeden Tag meine 20.000 Einheiten, weil mehr ist einfach besser”. Dann kann das klar passieren. Deshalb ist die vernünftige, gescheite Dosierung bei diesen Stoffen besonders wichtig. Bei den anderen ist sie auch nicht unwichtig, aber hier ist das Risiko nicht ganz so dramatisch groß. Trotz alledem würde ich immer auf die Empfehlungen der Hersteller setzen, um kein Risiko einzugehen.

Wenn man anfängt zu kombinieren, wie du sagtest, wenn man 17 Nahrungsergänzungsmittel untereinander mischt, dann ist das meiner Meinung nach auch ein großes Problem, weil meistens nimmt man dann auch unterschiedliche Hersteller oder man vertraut einem Hersteller und nimmt dann aus seiner Serie 3 oder 4, weil das hört sich alles ganz gut an. Aber: In den Produkten ist es oftmals so, dass der Hersteller immer wieder die Vitamine und Mineralien mit einbaut. Also nehmen wir mal ein Präparat für Knochen – dann findest du immer Vitamine. Dann für’s Immunsystem, da sind dann auch Vitamine drin und dann macht er vielleicht ein tolles Präparat für die Konzentration, wo ich mir denke “Konzentration ist auch etwas für mich”. Da sind aber auch wieder die gleichen Vitamine in Mengen drin. Wenn man das alles kombiniert, dann hat man nachher einen Cocktail, wo man selber nicht mehr genau weiß, was man in einzelnen Stoffen zu sich genommen hat. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mit einem eigenen Produkt auf den Markt gekommen bin, ohne großartig Werbung machen zu wollen. Ich habe mir einfach gesagt, das muss anders laufen, dass man da ein wenig sicherer kombinieren kann.

Ich sehe das gerade auch bei namhaften Apotheken als kritisch und als Risiko an, dass man gar nicht mehr genau weiß, wie man dosiert hat.

Norman: Ja. Ich glaube auch, die Komplexität zeigt – du hast es vorhin auch angesprochen, die individuelle Beratung des jeweiligen Menschen ist eine ganz wichtig Geschichte, weil ich oben ganz viel reinschmeißen kann; im Idealfall, das, was mir fehlt. Die Frage ist aber auch, in welcher Situation oder Lage der Körper ist, das tatsächlich aufzunehmen. Wenn ich mich schlecht ernähre und mein Darm das gar nicht wirklich aufnehmen kann, dann ist es im Grunde für die Katz’. Es ist dann völlig egal, was ich oben reinschmeiße. Es kommt nicht da an, wo es ankommen sollte.

Steffen: Absolut. Man sollte sich auf jeden Fall ein grobes Bild machen, mit wem man es zu tun hat. Wie ernährt derjenige sich überhaupt? Ist bei ihm eventuell schon alles im Lot? Oder ist da nur der Verdacht, dass es der ein oder andere Stoff sein könnte, der ein Problem ist und in der Ernährung fehlt. Vollkommen richtig, die Zeit sollte man sich schon nehmen.

Norman: Weil wir jetzt die ganze Zeit über Vitamin D gesprochen haben, was offenbar für viele Menschen gerade jetzt auch zu dieser Jahreszeit, wir haben November, ein großes Thema ist, weil Vitamin D über die Sonneneinstrahlung auf der Haut im Körper produziert wird. Gibt es noch andere natürliche Quellen von Vitamin D?

Steffen: Ja, üblicherweise ist es auch teilweise in fettem Fisch drin. Früher haben die Leute ihren Kindern Lebertran gegeben oder selber getrunken. Das ist eine recht bekannte Vitamin D Quelle – nicht mehr ganz so zeitgemäß, aber es ist über die Ernährung tatsächlich schwer den Haushalt so in die Höhe zu bringen, wie wir ihn brauchen. Insofern ist die Sonneneinstrahlung schon mit das wichtigste Kriterium. Sobald allerdings der Herbst einbricht und die Sonne in einem anderen Winkel auf die Erde trifft, wird es auch schwierig mit der Produktion. Man sagt immer, sobald der Schatten hinter einem länger ist, als man selber, war es das mit der Vitamin D Synthese im Körper. Das ist immer ein gutes Kriterium, sich einfach mal in die Sonne zu stellen, mal hinter sich zu schauen. Wenn es einen langen Schatten wirft, dann braucht man sich erst gar nicht das Hemd auszuziehen, da passiert sowieso nichts.

Norman: Ja, da fehlt einem wirklich Power und die Frage ist auch: Wie lange muss ich Sonnenbaden, um wirklich eine relevante Menge zu produzieren? Geht das relativ schnell oder reden wir hier über ein paar Stunden?

Steffen: Nee, das geht wirklich fix. Wenn man in den Frühjahrs-, Sommer- und frühen Herbstmonaten Pause hat und sich tatsächlich einmal eine viertel Stunde mit kurzen Ärmeln in die Sonne setzt, ohne natürlich Angst zu haben “Hautkrebs, ich muss mich mit einem 50-er Lichtschutzfaktor eincremen”, dann hat man auch keine Chance. Dann produziert man auch gar nichts. Das ist auch eine Thematik, die man immer bedenken muss, selbst wenn man im Winter noch einmal eine Fernreise macht, hat dann aber von morgens bis abends einen 50-er Lichtschutzfaktor auf dem Körper. Dann wird man auch nicht viel produzieren. Das sollte man auch im Hinterkopf behalten.

Zur Frage aber: Grundsätzlich 10-15 Minuten in der Pause – es muss auch keine knallende Sonne sein, es kann auch durchaus ein wenig wolkenbedeckt sein, das ist kein Thema – sich in die Sonne zu setzen, es zu genießen, reicht vollkommen aus, um entsprechend seine Vitamin D Produktion in die Höhe zu treiben, wenn man keinen Sonnenschutz aufgetragen hat.

Norman: Super. Steffen, ich würde sagen, wir machen an dieser Stelle, die Folge für heute zu und geben den Zuhörern die Möglichkeit, in unserer WhatsApp-Gruppe Fragen zu stellen. Das Thema ist so spannend, dass wir mit Sicherheit hier noch eine Folge machen werden und dann direkt auf eure Fragen eingehen. In diesem Sinne: Steffen, vielen Dank für deine Zeit zu so früher Stunde.

Steffen: Sehr gerne! Danke für die Einladung und für’s Zuhören.

Norman: Ja, wir hören uns ganz sicher beim nächsten Mal in diesem Podcast. Bis bald! Danke dir, Steffen.

Steffen: Danke, tschüss!