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In der Ruhe liegt die Kraft

Wir sind ständig unterwegs: Arbeit, Sozialstress, Familie, Verpflichtungen, Arzttermine, Papierkram, selbst Hobbies sind meist in irgendeiner Form aktiv. Dabei fällt einem manchmal gar nicht auf, wie gut Ruhe tun kann. Viel zu oft lenken wir uns jedoch ab, bevor die Ruhe überhaupt eintreffen kann. Die Gefahr, sich zu langweilen, ist zu präsent. Langeweile kann jedoch – richtig genutzt – unglaublich gesund, wohltuend und schön für uns und unser ganzes System (das körperliche wie auch das gesellschaftliche) sein. Aber warum ist das so? Und wie kann man diese Ruhe finden? Ein Weg dorthin ist die Meditation. „Viel zu buddhistisch” oder „zu spirituell” werden nun einige denken. Vielleicht hast Du Meditation bisher auch eher als Öko-Hokuspokus angesehen. Oder Du hast es schon einmal versucht, kannst Deinen Geist aber einfach nicht zur Ruhe bringen. Vielleicht bist Du auch schon fortgeschritten und meditierst regelmäßig. So oder so, in diesem Artikel wollen wir Dir zeigen (oder Dich daran erinnern), wie Meditation für jeden möglich ist, wie Du zu Deiner inneren Ruhe finden kannst und warum das so wichtig ist.

Meditation für Jedermann

Stell Dir vor, Du siehst in einem Laden etwas, dass Du spontan kaufen möchtest. Du musst es nicht zwingend haben, aber es zieht Dich aus irgendeinem Grund an. Würdest Du Dir vorher überlegen, es zu kaufen? Würdest Du Dir klar machen, warum und ob Du es wirklich brauchst? Ob Deine Finanzen es zulassen? Oder ist es Dir schon einmal passiert, dass Du einfach gekauft hast und den Kauf danach vielleicht sogar bereut hast? Oder stelle Dir vor, Du hast einen Streit mit einer Dir lieben Person. Du bist wütend und verletzt. Ist es Dir schon einmal passiert, dass Du dieser Person Dinge an den Kopf geworfen hast, die Du eigentlich nicht sagen wolltest, Deine Wut aber in dem Moment so groß war, dass es einfach nur so aus Dir heraussprudelte und dass es Dir im Nachhinein leid tat? Oder wie sieht es aus im Beruf? Ist jede Entscheidung, die Du triffst für alle Beteiligten gegenüber gleich fair gewesen? Oder hast Du manchmal spontan etwas entschieden und dadurch Dich selbst oder eine andere Person aus Versehen benachteiligt?

Ich wage jetzt mal eine Vermutung: Wir alle haben mindestens eine der oben genannten Situationen bereits erlebt. Wir sind alle nur Menschen und manchmal dreht sich die Welt zu schnell für uns. Da wird geredet, bevor wir nachdenken, da werden Entscheidungen einfach aus dem Bauch getroffen. Gar nicht weiter schlimm, oftmals können wir das Bereuen im Nachhinein aber verhindern, indem wir im Vorfeld präsenter und bewusster im Moment leben und mehr reflektieren. Genau das bewirkt Meditation.

Was genau macht Meditation mit uns?

Durch das Ausschalten des Alltags, des aktiven Denkens und Ablenkens sehen wir klarer. Wir können uns fokussieren oder auch einfach mal ganz genau in uns hineinhorchen, was und vor allem warum wir empfinden. Sind wir im Meditieren geübt, können wir diese Klarheit und Reflektiertheit auch ganz bewusst in einer Stresssituation hervorholen, beispielsweise in einem Streit oder einer Entscheidungssituation. Wir können so besser abwägen, rationalere Entscheidungen treffen und vor allem handeln wir langfristig klug und nicht nur im Moment. Dabei heißt es doch immer, durch’s Meditieren würde man den Moment bewusster wahrnehmen. Richtig. Und weil wir das tun, können wir auch leichter erkennen, was nur für den Moment wichtig und richtig ist und was auch für die Zukunft gut sein könnte.

Meditation heißt im Grunde nichts anderes, als in einer Bar die Musik leiser oder sogar aus zu stellen, um unseren Gesprächspartner besser verstehen zu können. Nur, dass die Musik in diesem Falle der Alltag, die Beschleunigung und alles darum herum ist und unser Gesprächspartner unser inneres Ich. Meditation heißt, sich kennen zu lernen, sich verstehen zu lernen, sich beherrschen zu lernen. Und sich lieben und akzeptieren zu lernen. Sich und den Rest der Welt. Nun gut, zugegeben. Dies ist dann die höhere Stufe und sehr buddhistisch. Wahr ist jedoch, dass Positivität uns selbst und anderen gegenüber uns auch Positivität zurückbringen wird und definitiv gesünder für uns ist als Selbstzweifel. Einen Versuch ist es wert.

Doch selbst, wenn Du diese Auffassung nicht teilst. Meditation kann auch sehr rational sein. Sehr einfach. Es tut uns selbst gut, in einer stressigen Situation für zwei bis drei Atemzüge innezuhalten und nicht sofort loszuschreien. Stress ist Gift für den Körper. Das ist sogar medizinisch erwiesen. Und spontane Entscheidungen können zwar manchmal Gold wert sein, die Fähigkeit zum Abwägen und Reflektieren sollte jedoch deswegen nicht abhanden kommen. Und genau die wird in der Meditation geschult.

Aller Anfang ist schwer – Meditation braucht Praxis und Geduld

Das ist manchmal allerdings gar nicht so einfach. Viele Meditations-Einsteiger sagen am Anfang Dinge wie „Ich kann meine Gedanken aber nicht abstellen” oder „Wie langweilig”. Und beides ist berechtigt. Das Gute an der Meditation: Wir meditieren für uns. Ganz allein. Und wer kann uns schon vorschreiben, wie wir uns dabei fühlen (sollten)? Die Gedanken müssen gar nicht ausgeschaltet werden. Man kann sie einfach vorbeiziehen lassen, sie betrachten und sich ihrer bewusst werden. Nur festhalten und aktiv weiterdenken solle man sie nicht. Dann kommt die Ruhe irgendwann schon von ganz allein. Und wenn nicht – nun ja, dann hast Du intensiv über etwas nachgedacht und bist vielleicht zu einer Erkenntnis gekommen.

Die Langeweile ist ein anderes Thema. Das ist reine Übungssache. Wir sind es inzwischen gewohnt, dass von überall Ablenkung und Reize auf uns einregnen. Wird es ruhig um uns, empfinden wir das schnell als Langeweile. Die spannende Frage ist nur: Ist Langeweile denn überhaupt etwas Schlechtes? Was passiert, wenn wir die Langeweile mal fünf Minuten aushalten? Verändert sich das Gefühl? Und wie fühlt es sich eigentlich an? Beklemmend? Negativ? Und warum? Weil wir etwas verpassen? Ist es denn wirklich so schlimm, sich mal mit uns selbst zu beschäftigen? Und wenn das wirklich so schlimm ist, warum eigentlich? Haben wir etwas vor uns selbst zu verbergen? Langeweile ist nicht per se schlecht. Sie ist nur ungewohnt. Aus ihr kann aber einiges Spannendes entstehen und es lohnt sich, ihr mal eine Chance zu geben und in sie hineinzuhorchen.

Kleine Anfänge

Und diese Chance können wir an uns anpassen. Meditation ist keine Sportart. Sie funktioniert mit uns und durch uns. Manche finden ihre innere Ruhe, wenn sie auf einem Meditationskissen sitzen. Andere beim Abwasch oder beim Joggen. Meditation kann vieles sein und bei vielem nebenbei geschehen. Die bewusste Beschäftigung mit dem Geist ist aber ein guter Anfang, um sich im Geist-beruhigen zu üben. Dazu bietet es sich an, vorerst erst einmal keine Nebenbeschäftigung auszuführen und sich ganz auf seinen Geist im Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Die wichtigste und vielleicht einzige feste Regel bei der Meditation ist nicht zu urteilen. Nehme alles so an, wie es kommt. Halte es nicht und rufe es nicht hervor. Schiebe es aber auch nicht weg, sondern betrachte es und versuche dabei neutral zu sein. So schaffst Du es, aus Dir heraus zu gehen und den wahren Moment zu erfahren. Wenn Dir das trotz allem noch zu viel ist und Du Dich damit partout nicht wohl fühlst oder identifizieren kannst, kannst Du übrigens auch erst einmal mit Atemübungen oder Affirmationen anfangen, um Deinen Geist zu beruhigen und ihn bewusst zu steuern. Denn auch darum geht es beim Meditieren in einem späteren Stadium: Dich selbst zu steuern. Oft leben wir nicht, wie wir eigentlich leben wollen. Sind nicht, wie wir wirklich sein wollen, weil uns Ängste, Gewohnheiten oder anderes davon abhält. Durch das Bewusst-Werden des Moments und unseres Selbst können wir dies lenken und Entscheidungen treffen, die auch langfristig wirklich uns entsprechen. Wir können eine unschöne Situation zum Beispiel eleganter durchleben, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden können, ob wir nun wütend, traurig oder gutmütig sein möchten, statt dass unsere Gefühle die Kontrolle übernehmen. Nichts anderes machen Affirmationen. Du gibst Dir selbst freundliche Befehle, die Du nach und nach verinnerlichst. Auf diese Weise kannst Du selbst entscheiden und hast die Kontrolle über Dich und Dein Leben.

Drei Beispiele zum Ausprobieren

Möchtest Du etwas weiter gehen als Affirmationen, die meist für eine bestimmte Situation oder Charaktereigenschaft gedacht sind und stattdessen eine dauerhafte und natürliche Selbstkontrolle erlangen, Deinen Geist beruhigen lernen und Dein innerstes Ich kennen lernen, kommen hier nun drei Varianten, wie Du neben dem „einfach sitzen, entspannen und an Nichts denken” aktiv Deinen Geist meditativ schulen kannst.

1. Die Honig-Meditation (vor allem zur Entspannung, sehr gut für abends)

Setze oder lege Dich in eine angenehme Position und schließe die Augen. Wandere dann gedanklich durch Deinen Körper und mache Dir bewusst, wo Du ver- und wo Du entspannt bist. Richte dann Deine Aufmerksamkeit auf den höchsten Punkt Deines Körpers und stelle Dir vor, jemand gießt ein großes Glas mit warmen Honig über Dir aus. Stelle Dir vor, wie der Honig Deinen Körper entlang läuft und Deine Zellen wärmt. Wie er Verspannungen auflöst und wegschwimmen lässt. Ganz langsam und warm. Versuche Dir wirklich das Gefühl vorzustellen, wie Die Verspannung von oben immer weiter mit dem Honig zusammen an Dir herunterläuft und schließlich aus Deinem tiefsten Punkt heraus tropft.

2. Mitgefühl für die Welt und für Dich

Setze Dich im Schneidersitz hin und schließe Die Augen. Denke an Dich und was Du an Dir besonders magst. Schicke Dir Liebe in Form von goldenem Licht. Stell Dir richtig vor, wie dieses goldene Licht bei Dir ankommt, Dich umhüllt und Deinen Körper durchströmt. Behalte dieses Licht während der folgenden Schritte immer in Dir und lass es sich von Deinem Herzen aus vermehren. Denke dann an einen Dir lieben Menschen und schicke ihm das selbe goldene Licht. Denke daran, warum er Dir wichtig und lieb ist und stelle Dir vor, wie das Licht, Deine Liebe und Dein Mitgefühl bei ihm ankommen und ihn umhüllen und durchströmen. Denke nun an eine Person, mit der Du derzeit Probleme hast. Vielleicht einen Streit oder vielleicht auch jemand, den Du noch nie besonders mochtest. Denke daran, warum ihr euch nicht versteht und dann daran, warum dieser Mensch wohl so sein mag und warum Du diese oder jene Eigenschaft nicht magst. Schicke diesem Menschen dann ebenfalls Deine Liebe und Dein Mitgefühl in Form von dem goldenen Licht und versuche, die gleiche Intensität aufrecht zu erhalten, wie bisher. Umhülle ihn und schau, wie er in Deinen Gedanken reagiert. Denke dies nicht aktiv, sondern warte einfach ab, ob sich eine Reaktion zeigt. Schicke dann Deine Liebe und Dein Mitgefühl an die ganze Welt. An alle Fremden. Vielleicht bekommt es eine bestimmte Richtung, vielleicht verteilt es sich auch gleichmäßig, lass alles zu was kommt und sende das goldene Licht dahin, wo Dein Geist es für nötig und richtig empfindet.

3. Das Karussell der Gedanken – gegen das aktive Denken

Setze Dich im Schneidersitz hin und schließe die Augen. Stelle Dir jetzt vor. Du schaust auf ein leeres Karussell. Es dreht sich, hat jedoch keine Pferde oder sonstige Sitzgelegenheiten, sondern nur eine leere Fläche und eine Glaswand außen herum. Stelle Dir nun vor, Du ziehst Deine Gedanken aus Deinem Kopf und legst sie im Karussell ab. Betrachte sie eine Weile und sieh zu, was passiert. Haben die Gedanken Farben? Oder eine Form? Was kannst Du sehen? Versuche, nicht zu denken, sondern nur zu beobachten. Halte nichts fest und erzwinge nichts und schau einfach hin.

Meditation kann immer und überall ausgeführt werden und bringt viele Vorteile für Dich aber auch für Menschen in Deinem Umfeld mit sich. Probiere es doch einmal aus. Manchmal fehlt nur die richtige Meditationsform oder der richtige Ort. Manchmal auch andere Menschen oder bestimmte Klänge. Die Möglichkeiten sind endlos und ein ruhiger Geist ist nicht nur klüger, er ist auch entspannter, freundlicher und gesünder.