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Viren und Keime sind überall. Wer Kinder hat, merkt das besonders, wenn diese in den Kindergarten kommen und sich plötzlich ständig bei anderen Kindern anstecken. 
Auch Ärzte und Schwestern und sogar deren Partner haben es in der Anfangszeit im Krankenhaus oft schwer und müssen ihren Körper erst daran gewöhnen, täglich Krankheitserregern ausgesetzt zu sein. Nach einiger Zeit jedoch werden die Kinder nicht mehr so häufig krank und auch das medizinische Personal scheint plötzlich Wunderheilkräfte bekommen zu haben. Doch warum ist das so? Warum scheint es einige Menschen zu geben, die eine abgelaufene Milch nur anschauen müssen, um einen Magen-Darm-Virus zu bekommen, während andere essen können, was sie wollen und alles verkraften? Wie kommt es, dass einige Menschen jeden Herbst wieder mit einer Erkältung flach liegen und andere kaum krank werden? Die Wunderheilkraft heißt: starkes Immunsystem. Und “Heilkraft” ist an sich schon falsch, da ein gesundes Immunsystem eben von Beginn an verhindert, dass überhaupt geheilt werden muss.

Was tut das Immunsystem?

Das Immunsystem funktioniert wie eine Art Türsteher oder Bodyguard des Körpers. Es lässt nicht alles und jeden hinein. Und benimmt sich jemand daneben, der schon im Club namens Körper ist, dann kommt der Türsteher Immunsystem vorbei und geleitet den Unruhestifter hinaus. Ist ein Immunsystem geschwächt – ähnlich wie ein verletzter Bodyguard – wird der Schutz schwächer und mehr Viren können sich ihren Weg in unseren Körper bahnen und Unfug treiben. Aber wie genau wacht das Immunsystem über unseren Körper? Was sind seine Funktionen und wie können wir verhindern, dass es geschwächt wird?

Ein großes Netz, das gepflegt werden muss

Um zu verstehen, wie das Immunsystem geschwächt wird und wie wir es schützen, pflegen und somit stärken können, müssen wir zuerst verstehen, wie das Immunsystem funktioniert, wie es aufgebaut ist und wie es aussieht. Der Name lässt schon einiges vermuten: Immun kommt von dem lateinischen Wort immunis und bedeutet unberührt, frei, rein. Das Immunsystem ist also dafür verantwortlich, den Körper rein und unberührt von äußeren Einflüssen zu lassen. Vorstellen lässt sich dies am besten als ein großes Netz, das sich um den menschlichen Körper gelegt hat. Dieses Netz erkennt Viren, Parasiten und Bakterien. Wird das Netz nicht ständig gewartet, kann es alt und brüchig werden. Die Löcher werden größer und Bakterien können sich einfacher vorbeischleichen. Das Knochenmark ist hierbei die Quelle. Es bildet weiße Blutkörperchen wie zum Beispiel die Lymphozyten. Diese sind dafür verantwortlich, Fremdkörper von körpereigenen Zellgewebe im Blut zu unterscheiden. Das „Wissen” hierfür bekommen sie während ihrer Prägung in der Thymusdrüse.

Die Bestandteile eines Immunsystems

Zunächst einmal haben wir die Türsteher: Die Barrieren, die verhindern, dass schädliche Bakterien, Viren oder Parasiten überhaupt erst in den Organismus gelangen. Diese sind: Haut (beispielsweise durch Schweiß), Schleimhaut (Schleim bindet die Bakterien), Augen (Tränenfunktion), Atemwege (Abtransportation der Flimmerhärchen), Mundhöhle (antimikrobielles Enzym Lysozym im Speichel kann Mikroorganismen bekämpfen), Magen (Magensäure), Darm (Darmflora und Abtransport) und der Harntrakt (Abtransport). Gelangen jedoch trotzdem einmal Bakterien in den Körper, so greift Plan B des Immunsystems: die Immunzellen. Diese sitzen in den Lymphknoten, den Mandeln, der Milz und dem Blinddarm. Diese Zellen sind neutrophile Granulozyten, Monozyten/Makrophagen und dendritische Zellen und können Erreger direkt bekämpfen und vernichten. Man kann sich diese Zellen so vorstellen wie die Verstärkungsgruppe aus dem Hinterzimmer eines Clubs. Ist ein Türsteher verwundet und kann den Eindringling nicht aufhalten, schlägt er Alarm, indem er seine Kollegen anfunkt und diese kommen in geschlossener Truppe an die Unfallstelle, um gemeinsam gegen den Bösewicht zu wirken.

Zwei unterschiedliche Immunsysteme

Im Großen und Ganzen wird zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Immunsystem unterschieden. Das Immunsystem reagiert unterschiedlich auf Keime, die es bereits kennt, im Vergleich zu neuen Erregern. Das angeborene oder unspezifische Immunsystem funktioniert sehr viel allgemeiner und sucht rund um die Uhr nach Eindringlingen (Pathogene), die es dann mit den Phagozyten, den sogenannten Fress- und Killerzellen eliminiert. Dies ist hauptsächlich bei bakteriellen Infektionen, wie auch einer Erkältung der Fall. Das erworbene Immunsystem hat schon Vorerfahrung mit dem Erreger sammeln und sich daher besser vorbereiten können. In diesem Fall der gelernten Abwehr werden Antikörper gebildet, die exakt auf den Erreger passen, da der Körper diesen wieder erkennt und nun besser mit ihm umgehen kann. Beide Immunsysteme arbeiten jedoch zusammen, sie ergänzen sich und sind eng miteinander vernetzt.

Ein intaktes Immunsystem ist der Schlüssel

Wer eine Erkältung oder einen anderen Effekt schon im Vorfeld verhindern möchte, der ist am besten damit bedient, sein Immunsystem zu stärken. Zwar spielen Faktoren wie Kälte und Kontakt mit anderen Kranken eine Rolle bei der Ansteckung, jedoch kann ein intaktes Immunsystem mit den meisten Herausforderungen umgehen. Daher können Ärzte tagtäglich mit kranken Patienten agieren, ohne sich ständig anzustecken und Forscher können bei Minusgraden arbeiten, ohne einen Husten nach dem nächsten zu bekommen. Wer also gesund bleiben möchte, kommt nicht um eine prophylaktische Stärkung des Immunsystems herum.

Schwächung und Stärkung des Immunsystems

Schwächende Faktoren für ein Immunsystem sind so ziemlich alles, was der Mensch als allgemein ungesund bezeichnen würde: wenig Schlaf, ungesunde Ernährung, zu wenig (oder auch zu viel) Bewegung, unzureichend frische Luft und zu wenig Flüssigkeit. Dies alles sind Faktoren, die wichtig sind, um das Netz intakt zu halten. Der Schlaf ist die Regenerierungsphase, Flüssigkeit und Bewegung helfen dem Netz, nicht brüchig zu werden, die Ernährung lässt das Material stärker werden und die frische Luft lockert alles etwas auf. Auch die Temperatur kann eine Rolle spielen. Zwar bedingt Kälte nicht zwingend eine Erkältung, sie kann unseren Körper jedoch so viel Energie kosten, da er sich warm halten muss, dass das Immunsystem geschwächt wird. Ähnliches gilt für Hitze. Bakterien haben es bei heißen Temperaturen jedoch schwerer, da wir mehr schwitzen und damit mehr und schneller ausscheiden. Um das Immunsystem zu stärken, können wir also auf alle oben genannten Punkte achten: Viel Wasser trinken, um den Harndrang anzuregen und den Körper vital zu halten. Eine gesunde Ernährung, die unseren Zellen die Nährstoffe bietet, die sie brauchen, um volle Power erbringen zu können. Ausreichend Bewegung, die uns jedoch nicht so sehr erschöpft, dass alle restliche Energie zur Regeneration benötigt wird. Ein moderates und regelmäßiges Training tut dem Körper am besten. Dazu warme Socken bei Kälte und Schatten bei Hitze. Und vor allem: Ausreichend Schlaf, damit der Körper genügend Zeit hat, seine Bodyguards immer wieder neu aufzustellen und damit sich unser Schutznetz regenerieren kann.

Tue Deinem Körper Gutes und er wird Dich beschützen

Unser Körper und unser ganzes System sind darauf gepolt, gesund zu sein. Der menschliche Organismus hat wahnsinnige Kräfte, die vielen von uns im täglichen Leben gar nicht auffallen. Dinge, die wir essen, Dinge, die unsere Haut berühren. Dinge, die wir einatmen. All dies ist eine alltägliche Herausforderung für unser Immunsystem. Daher ist es wichtig, dass wir es in seiner Arbeit unterstützen. Schließlich ist es der Job des Immunsystems, uns unversehrt und gesund zu halten. Da ist es nur recht und billig, wenn auch wir unseren Teil dazu beitragen, diesen Job so einfach wie möglich zu gestalten. Vermeide Stress, schlafe ausreichend, bewege Dich und iss und trink gesund. Mit einem solchen Lebensstil kannst Du Dein Immunsystem auf die beste Funktionalität pushen und wirst sehen, dass es im Gegenzug einen bestmöglichen Job machen wird. Die Folge: Weniger Erkältungen, Infekte und andere Krankheiten. Denn Teamwork makes Dreamwork.