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Wann immer ich als Kind eine Erkältung hatte, wurde mir strikte Bettruhe verschrieben, Fencheltee mit Apfelsaft eingeflößt (ich vermute stark, der Apfelsaft war ein Trick, um mir den Fencheltee schmackhafter zu machen), dann gab es Salzstangen und Hörspiele und wenn das Halsweh zu stark wurde, gab es einen kalten Wickel. Dieser bestand aus einem Küchentuch, in das meine Mutter kalten Quark schmierte und darum einen Wollschal. Wärme über Kälte sozusagen. Alles andere als angenehm, meine Mutter schwört jedoch bis heute darauf. Sie selbst allerdings trinkt lieber heißen Whiskey mit Ingwer, wenn die Erkältung sie packt und eine Freundin von mir schwört auf heißes Bier, seit sie eine Zeit lang auf einem Fischkutter gearbeitet hat, der oft wochenlang auf See war und wo man sich keine Erkältung leisten konnte. 
Ob nun homöopathische Kügelchen, starke Antibiotika oder Hustensaft – jeder geht anders mit einer Erkältung um. 
Doch Medikamente sind gar nicht immer nötig. Oftmals steckt in den Hausmittelchen von der Oma oder Mutter mehr als man denkt. Ob sie funktionieren? Das bleibt jedem selbst überlassen. Probieren geht schließlich über studieren. Hier kommen erste Anregungen, was die deutschen Wohnzimmer und Elternhäuser so für Geheimtipps auf Lager haben, wenn es darum geht, die Erkältung zu bekämpfen.

Essen und Trinken

„Wer krank ist, muss gut essen”, sagte meine Oma immer und machte sich sogleich auf den Weg, um Hühnchen zu kaufen und ihre weltberühmte Hühnersuppe mit frischem Gemüse zuzubereiten. Tatsächlich braucht unser Immunsystem dringend die richtigen Nährstoffe, wenn wir krank sind und diese sind besonders in Obst und Gemüse zu finden. Da Halsschmerzen aber meist nicht gerade Lust auf große 5-Gänge-Menüs anregen, ist Suppe (ob mit Hühnchen oder ohne) ein altbewährter Trick, um kranke Menschen trotzdem mit den wichtigsten Nährstoffen zu versorgen. Tatsächlich ist gerade Hühnersuppe dafür bekannt, weiße Blutkörperchen zu blockieren, die für Entzündungsprozesse im Körper verantwortlich sind. Der Eiweißstoff Cystein wirkt laut Stiftung Warentest entzündungshemmend und abschwellend auf die Schleimhäute. Eine Suppe kann außerdem leicht geschluckt werden und muss kaum gekaut werden, was dem Kranken Energie und Schluckbeschwerden erspart. Viel frisches Gemüse und als Nachtisch ein frisch zubereiteter, vitaminreicher Smoothie helfen dem Immunsystem wieder auf Trab, das so besser mit den Viren und Bakterien umgehen und diese aus dem Körper schleusen kann.
 Oftmals hilft allein schon die Wärme der Suppe dem Hals, sich ein wenig zu entspannen.
Ist dies nicht der Fall, kann kalter Joghurt oder sogar Eis die geschwollenen Mandeln beruhigen und kühlen. Neben den Vitaminen braucht der Körper außerdem vermehrt Flüssigkeit, um reibungslos funktionieren zu können. Und zu trinken gibt es bei Erkältung natürlich vor allem: Tee. In allen Variationen.

Ingwer, Zitrone und Pfefferminze

Wer frischen Ingwer, Zitrone oder Pfefferminze zur Hand hat, kann diese einfach mit heißem Wasser übergießen. Warum gerade Ingwer, Zitrone oder Pfefferminze? Ingwer enthält die ätherische Öle Zingiberin und Zingiberolsind und wirkt daher keimabtötend. Oder anders gesagt: antiviral und antibakteriell. Durch den ebenfalls enthaltenden Scharfstoff Gingerol wird die Durchblutung gefördert und festgesetzter Schleim löst sich. Die Cyclooxygenase, ein Enzym, welches zur Einleitung von Entzündungsprozessen sowie Schmerzen führt, wird durch Ingwer gehemmt, was schmerzlindernd wirkt und die Entzündung verringert. Durch die Schärfe der Ingwerwurzel wird außerdem der Selbstheilungsprozess des Körpers angeregt. Zitrone hingegen wirkt sogar schon vor der Erkältung. Das geballte Vitamin C reichert die weißen Blutkörperchen an und hilft so dem Immunsystem stärker und effektiver arbeiten zu können. Außerdem wirkt das Vitamin C als Antioxidans, indem es die einzelnen Zellen vor schädlichen freien Radikalen schützt. Pfefferminze ist ein wahrer Champion, wenn es um Atemwege geht. Eingeatmet oder als Tee getrunken wirken die enthaltenen ätherischen Öle und das Menthol befreiend und wie schon der Ingwertee antibakteriell und antiviral. Schleim löst sich und das Durchatmen fällt leichter. Pfefferminze wirkt außerdem desinfizierend und kann so Krankheitserreger bekämpfen. Auch erkältungsbedingte Kopfschmerzen können mit der kühlend wirkenden Pfefferminze gelindert werden. Am besten schmecken Ingwer-, Zitronen- oder Pfefferminztees übrigens mit einem Teelöffel Honig. Und dieser ist nicht nur lecker, sondern kann auch den Hustenreiz lindern, indem er beruhigend und entzündungshemmend wirkt und sich durch seine klebrige Konsistenz auf die gereizten Schleimhäute legt, wodurch diese geschmeidig gehalten werden. Dies bestätigten verschiedene US-Studien im Jahr 2012.

Die heilende Welt des Tees

Doch nicht nur Zitrone, Ingwer und Pfefferminze können Linderung bei Erkältungssymptomen verschaffen. Eukalyptus beispielsweise wirkt schleimlösend und auswurffördernd, Holunderblüten schweißtreibend und schleimlösend, Kamille kann Krämpfe lösen und wirkt antibakteriell und Spitzwegerichkraut befeuchtet und wirkt ebenfalls antibakteriell. Und auch der Fencheltee meiner Mutter hatte seine Berechtigung: Fenchel wirkt schleimlösend, krampflindernd, auswurffördernd, verdauungsfördernd und entzündungshemmend und beruhigt außerdem die Nerven. Ein weiterer “Tee” ist heißer Zwiebelsaft. Die ätherischen Öle, die Essigsäure und die senfölartige Glykoside sowie die schwefelhaltigen Verbindungen (z.B. Allicin) wirken desinfizierend und entzündungshemmend. Außerdem verschaffen die Inhaltsstoffe Linderung bei Krämpfen und sind schleimlösend. Wichtig bei allen Tees: auf Zucker verzichten. Besser einen Teelöffel Honig oder einen Schuss vitaminreichen Saft hinzugeben.

Inhalieren

Oft sind die verschleimten Atemwege bei einer Erkältung eines der schlimmsten Symptome. Alles ist verstopft, man bekommt schlecht Luft und dies führt zu Kopfschmerzen. Außerdem wird das Immunsystem durch den fehlenden Sauerstoff noch weiter geschwächt. Daher kann das Inhalieren warmer Dämpfe mit ätherischen Ölen, Menthol oder anderen heilenden Kräutern dabei helfen, die Schleimhäute, die beispielsweise durch die Heizungsluft im Winter ausgetrocknet und gereizt sind, zu befeuchten und somit funktionstüchtiger zu machen. Die Flimmerhärchen können Keime so wieder besser abtransportieren und die Schleimhäute sind weniger rissig und somit weniger anfällig für sich absetzende Bakterien.

Alkohol gegen Erkältung

Warmes Bier, Grog oder Whiskey. Viele Menschen therapieren eine Erkältung mit Alkohol. Die Theorie besagt Alkohol erweitere die Gefäße, was die Durchblutung und somit die Heilung im entzündeten Bereich beschleunige. Alkohol erhöhe außerdem die Körpertemperatur und könne so gegen Schüttelfrost helfen. Leider kommt nun die enttäuschende Nachricht: Zwar enthält warmes Bier tatsächlich ätherische Öle und die Bitterstoffe aus Hopfen und Malz können antibakteriell und beruhigend wirken – Tees und heilende Kräuter können dies allerdings auch und sogar besser. Im Gegensatz zum Alkohol muss sich das Immunsystem bei Kräutern nämlich nicht auch noch mit den schädlichen Stoffen im Alkohol rumschlagen und Alkohol entzieht dem Körper außerdem Flüssigkeit, was alles andere als fördernd für den Heilungsprozess ist. Tatsächlich braucht der Körper extrem viel Flüssigkeit, um Bakterien und Viren abtransportieren zu können. Eines stimmt jedoch: Ein Gläschen am Abend kann durchaus beruhigend und schlaffördernd wirken und Schlaf hilft bekanntlich noch immer am besten. Übertreiben sollte man den Alkoholkonsum jedoch nicht.

Kalte Wickel, warme Socken und viel Erholung

Auch die Körpertemperatur ist bei einer Erkältung extrem wichtig. Der Körper sollte keine extra Energie aufbringen müssen, um eine gesunde Temperatur aufrecht zu erhalten, daher können kalte (Waden- oder Hals-) Wickel bei Fieber und Hitzegefühlen helfen, ebenso wie warme Socken und Wärmflaschen bei Schüttelfrost und Kälte. Dies hilft dem Immunsystem dabei, sich voll und ganz auf die Heilung konzentrieren zu können. Kälte wirkt außerdem abschwellend und kann so bei Entzündungen im Halsbereich die Schmerzen lindern. Das Wichtigste ist und bleibt jedoch: hinlegen und auskurieren. Schon zu Kindheitszeiten wurden wir daher während einer Erkältung ins Bett gesteckt und jegliche Aktivität wurde erst einmal untersagt. Schlaf und die damit verbundene Erholung ist dringend nötig, damit der Körper und das Immunsystem sich regenerieren und erneuern können. In diesem Sinne: Auf Mama und Oma gehört und ab ins Bett!