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Biohacking ist eine relativ neue Praktik, wobei die meisten von uns sie im Grunde schon seit Urzeiten betreiben. Das klingt unlogisch? Ist es aber gar nicht. Was neu an der Praktik ist, sind Name und ausgereiftes Konzept. Und die Tatsache, dass es sich bewusst betreiben lässt. Ein Biohacker tut im Grunde nichts anderes, als sich eine Umgebung und Verhältnisse zu schaffen, die ihm dabei helfen, gesünder zu leben und fitter zu werden. Du siehst also: Personal Trainer, Ernährungsberater und sogar die meisten von uns haben selbst schon einmal Biohacking betrieben, viele ohne es überhaupt zu wissen. Was genau ist also neu an Biohacking? Was gibt es darüber zu wissen und wie können wir Biohacking ganz bewusst anwenden, um unser Leben zu verbessern?

Unbewusst sind wir bereits alle Biohacker – von Zeit zu Zeit

Wer sich abends Kerzen anzündet, um zu entspannen, ist z.B. ein Biohacker. Oder wer sich morgens als Erstes einen Kaffee macht, weil Koffein wach macht. Dies alles gehört schon zum Biohacking. Wir führen es bisher jedoch meist intuitiv und nicht bewusst aus. Die Kunst des Biohackings besteht nun darin, sich seiner Umwelt, der Nahrung und vielen anderen Faktoren bewusst zu werden. Und vor allem ihrer Wirkung. Denn wer weiß, was welche Wirkung auf seinen Organismus hat, kann dies bewusst einsetzen, um Körper und Geist zu „programmieren”. Ein Beispiel: Kaffee macht mich wach, also trinke ich morgens eine Tasse, um wacher und aufmerksamer zu sein. Das wirklich Neue am Biohacking ist also, seine Umgebung und den Einfluss bestimmter Faktoren bewusst zu entschlüsseln, um damit die körperliche, aber auch geistige und mentale Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Wer ein System ändern will, muss es verstehen

Ein Biohacker kennt die Umwelt und ihre Einflüsse ganz genau so, wie ein Computerhacker die Computersysteme kennt, die er hacken will. Um ein System zu optimieren oder auch nur bewusst darin agieren zu können, muss man es erst einmal kennenlernen. Als Beispiel können wir ein einfaches Fußballtraining nehmen: Ein Spieler mag großes Talent haben, schnell rennen können und den Ball treffen. Um noch besser zu werden, muss er jedoch ebenso verstehen, welche Nährstoffe der Körper vor und nach dem Training braucht, um fitter zu werden. Er muss die Theorie des Fußballs verstehen und ebenso, ob Regen oder Hitze ihn beim Spielen beeinflussen. Ein guter Trainer weiß das und wird dem Spieler dabei helfen, herauszufinden, was die für ihn optimalen Spielbedingungen sind und wie er diese vor jedem Spiel weitgehend selbst erzeugen kann. Findet der Spieler beispielsweise heraus, dass er bei Hitze langsamer läuft, kann er bewusst in einem warmen Umfeld trainieren und seinen Körper daran gewöhnen. Außerdem kann die richtige Ernährung seinen Kreislauf stabilisieren und der Coach könnte versuchen, die Spiele an möglichst kalte Orte zu verlegen. Problem erkannt, Problem gebannt.

Gesünder werden durch bewusste Wahrnehmung der Umwelt

Genau so verhält es sich mit dem Biohacking. Biohacker wollen gesünder, körperlich und geistig fitter sowie optimal eingestellt sein. Es geht dabei um Faktoren wie Körperfettanteil, Gewicht, sportliche Leistung, IQ, Stressreduzierung, Schlafoptimierung und Gesundheit. All diese Faktoren können bewusst durch Biohacking beeinflusst und optimiert werden, indem man sich selbst die Wirkungen und Einflüsse bewusst macht, die es zu verbessern gilt.

Die drei Säulen des Biohacking

Das Biohacking besteht aus drei Kategorien: dem Bodyhacking, dem Foodhacking und dem Mindhacking. Nur die Kombination aus diesen drei Elementen führt zu einer ganzheitlichen Veränderung der Lebensqualität. Wie bei jeder guten Diät besteht ein gesunder Lebensstil eben nicht nur aus Ernährung oder Sport, sondern aus sehr vielen weiteren Faktoren, wie Stress, Schlafgewohnheiten oder persönliche Einstellung. Ganz genau so ist das auch beim Biohacking. Während sich ein Element mit der richtigen Ernährung befasst, geht es beim anderen um das richtige Mindset und beim dritten um die physische Fitness.In diesem Artikel wollen wir uns vor allem dem Bodyhacking und der Theorie des ganzheitlichen Biohackings widmen. Was Foodhacking und Mindhacking sind und wie sie funktionieren, kannst Du ab morgen im zweiten Teil zu diesem Thema lesen.

Bodyhacking

Du möchtest Gewicht verlieren, Deinen Körperfettanteil optimieren oder einfach mehr Energie haben? Bodyhacking macht es möglich. Und noch viel mehr: Auch Konzentrationsfähigkeit, Schlaf und Gelassenheit können durch physische Prozesse verstanden und optimiert werden. Dahinter stecken ganz einfache biochemische und elektromagnetische Theorien, die es zu verinnerlichen gilt. Die kausalen Zusammenhänge von Lebensstil und Leistungsvermögen zu verstehen, ist das A und O beim Bodyhacking. Du möchtest, dass Dein Körper Höchstleistungen erbringt? Dann musst Du ihn nur richtig darauf programmieren und ihm das geben, was er braucht, um auf höchstem Leistungsniveau zu funktionieren. Dein Körper braucht bestimmte Botenstoffe und bestimmte Situationen, um beispielsweise auf Kalorienverbrennung umzuschalten. Wenn Du lernst, welche das sind, kannst Du selbst beeinflussen, wann Dein Körper Kalorien verbrennt, wie standhaft er einen Marathon durchhält oder wie viel Schlaf er wirklich benötigt. Dieses Wissen kann Dir natürlich nicht in einem einzigen Artikel vermittelt werden, eine ausführliche Recherche ist hier empfehlenswert. Wir wollen Dir aber trotzdem schon mal einige Beispiele zeigen, damit Du das Konzept verstehst und verinnerlichen kannst.

Bewegung: Finde den richtigen Sport

Hier geht es vor allem darum, herauszufinden, was die Forschung über bestimmte Sportarten und ihre Wirkung sagt. Und die Forschung deutet zurzeit besonders auf Intervalltraining hin. HIIT (Hochintensives Intervalltraining) ist demnach der perfekte Sport, da er nachweislich mehr Fett verbrennt. Der Körper wird auf eine intensive Sporteinheit getuned, auch wenn diese Intensität nur ein kurzes Intervall hindurch gehalten wird. Man trickst den Körper also aus und suggeriert ihm, man würde auf Höchstleistungsniveau trainieren. Dieses hält man jedoch nur kurz. Bis alle Botenstoffe dem Körper mitgeteilt haben, dass die Intensität bereits wieder vorbei ist, kommt schon das nächste Intervall und der Körper schaltet einfach nicht mehr von der Höchstleistungs-Energie-Stufe herunter.

Fasten: Gib Deinem Körper Zeit zur Regeneration

Schaut man auf die Geschichte wird schnell klar, dass wir in biologisch untypischen Verhältnissen leben. Der Mensch kann immer und überall essen, ohne sich dafür groß bewegen zu müssen. Anders als im Tierreich oder in der Entstehungsgeschichte, wo man für sein Essen jagen oder zumindest sammeln gehen musste. Dem Körper fehlt heute die Zeit, seine Zellen zu regenerieren, da ständig Nahrung zugeführt wird und wir meist gar kein Hungergefühl mehr erleben. Regelmäßiges Fasten ist daher eine gute Möglichkeit, dem Körper immer wieder Zeit zu geben, alte und beschädigte Zellen auszusortieren und zu erneuern. Dabei muss auch gar nicht lange gefastet werden. Schon 16 Stunden, einige Male die Woche (intermittierendes Fasten), reichen aus, um Deinem Körper diese Möglichkeit zu geben. Was der Körper dabei lernt: Die Energie wieder aus den eigenen, bereits bestehenden Reserven zu nehmen (Fettpölsterchen), statt ständig auf neue Energiezufuhr zu warten.

Die Spitze des Eisbergs

Dies waren nur zwei Hacks von unendlich vielen. Du kannst beispielsweise beeinflussen, wie viel Du schläfst oder wie viel Tageslicht Du täglich bekommst und somit Hormone und Botenstoffe in Deinem Körper aktivieren. Du kannst Deine Ernährung umstellen und somit ganz genau beeinflussen, welche Nahrung Dein Körper wann bekommt und wie er diese verarbeitet.
Solltest Du jetzt Feuer gefangen haben, wende Dich am besten an einen Experten, der Dir dabei hilft, Dein System ganz genau zu verstehen. Es mag am Anfang ein ganz schöner Informationsfluss sein, aber es lohnt sich auf jeden Fall, seinen eigenen Körper und dessen Bedürfnisse zu kennen, um ihm die bestmöglichen Bedingungen bieten zu können. Außerdem wirst Du im Endeffekt damit belohnt, dass Abnehmen Dir leichter fallen wird, Du mehr Energie haben wirst und Dein ganzer Organismus optimaler funktionieren wird. Klingt doch verlockend, oder?

Hier geht es zu Teil 2 des Beitrages.